Reading time: 3 min
Fast sieben von zehn Patentanmeldungen für investmentbezogene Künstliche Intelligenz in Südkorea wurden von Startups und nicht-börsennotierten SaaS-Unternehmen eingereicht, so ein am Dienstag veröffentlichter Bericht des Korea Capital Market Institute. Die Daten offenbaren eine bemerkenswerte Umkehrung: Die Unternehmen, die die Zukunft der koreanischen Finanzbranche gestalten, sind nicht die Banken und Maklergesellschaften, die die Branche dominieren, sondern die risikokapitalfinanzierten Außenseiter, die ihnen Tools verkaufen.
Die Zahlen
Von allen finanzinvestmentbezogenen KI-Patentanmeldungen in Korea stammten 67% von Software-as-a-Service-Unternehmen. Innerhalb dieser Gruppe waren 76% der Patente für den B2B-Verkauf konzipiert — Tools, die zur Lizenzierung an Finanzinstitute entwickelt wurden — während nur 14% direkt auf Privatkunden abzielten. Das Muster ist klar: Koreanische Fintech-Startups versuchen nicht, Banken zu ersetzen. Sie bauen die Infrastruktur auf, für deren Nutzung Banken bezahlen werden.
Die Patentanmeldungen konzentrierten sich auf standardisierte, regelbasierte Aufgaben, bei denen KI-Automatisierung sofortige Effizienzgewinne bietet: kommissionierter Handel mit Finanzprodukten, Überwachungssysteme für abnormale Handelsaktivitäten und Aktienkursanalyse-Tools. Dies sind hochvolumige, sich wiederholende Prozesse, bei denen Mustererkennung menschliche Analysten in Geschwindigkeit und Konsistenz übertrifft.
Wo KI nicht hingeht — und warum das wichtig ist
Ebenso aufschlussreich ist, wo Startups keine Patente anmelden. Der Bericht stellte minimale Aktivität in Bereichen fest, die nicht-offengelegte Informationen, menschliche Beziehungsnetzwerke — wie Deal-Sourcing im Investmentbanking — oder Aufgaben mit hohem Finanzrisiko betreffen. Dies ist nicht so sehr eine technologische Beschränkung als vielmehr eine regulatorische und kommerzielle Kalkulation. KI für standardisierte Compliance-Überwachung zu entwickeln ist ein verteidigbares, verkaufbares Produkt. KI zu entwickeln, die autonome Hochrisiko-Handelsentscheidungen trifft, lädt zu regulatorischer Prüfung und Haftung ein, die Unternehmen im Venture-Stadium nicht absorbieren können.
Die Lücke entlarvt auch eine strukturelle Schwäche. Wenn KI-Innovation auf Routineaufgaben beschränkt bleibt, riskiert Koreas Finanzsektor, die einfachen Teile zu automatisieren, während die wertvollsten Aktivitäten — proprietäres Deal-Making, Risikobewertung, Portfolio-Konstruktion — unberührt bleiben. Der Bericht des Korea Capital Market Institute macht dies explizit deutlich: Damit sich KI über die gesamte Finanzinvestmentbranche ausbreitet, werden aktive staatliche und regulatorische Eingriffe notwendig sein.
Warum Banken keine Patente anmelden
Die 67%-Startup-Dominanz wirft eine unbequeme Frage für Koreas etablierte Finanzinstitute auf. Koreanische Maklergesellschaften verzeichneten Rekordgewinne von 2024-2025, doch ihre Patentaktivität im Bereich Finanz-KI bleibt im Vergleich zu Venture-Firmen, die einen Bruchteil ihrer Größe haben, vernachlässigbar. Das Muster spiegelt einen globalen Trend wider — Etablierte kaufen lieber KI-Fähigkeiten, anstatt sie zu entwickeln — aber in Korea ist die Lücke ungewöhnlich stark ausgeprägt.
Ein Teil der Erklärung liegt in Koreas breiterem KI-Ökosystem. Das Land rangiert weltweit an dritter Stelle in der KI-Patentproduktion, nur hinter den USA und China, wobei Samsung und LG allein 9% aller koreanischen KI-Patente des letzten Jahrzehnts ausmachen. Aber diese Stärke konzentriert sich auf Hardware und Verbraucherelektronik. In Finanzdienstleistungen kommt die Innovation von unten — von Startups, die maschinelle Lerntechniken nutzen, die in 77% aller zwischen 2010 und 2021 eingereichten koreanischen KI-Patente vorkamen.
Staatliche Unterstützung
Der Startup-Patent-Boom existiert nicht im Vakuum. Die koreanische Regierung hat einen National Growth Fund im Wert von 100 Billionen KRW (72 Milliarden Dollar) durch öffentlich-private Finanzierung etabliert, um Kapital in fortschrittliche Branchen zu lenken, wobei KI explizit als Priorität bezeichnet wird. Für Startups und KMU bietet der Fonds Eigenkapitalinvestitionen und nachrangige Schulden. Diese politische Architektur — die regulatorische Unterstützung mit direkter Kapitalbereitstellung kombiniert — hilft zu erklären, warum Venture-Firmen, nicht Etablierte, die Patentaktivität vorantreiben: die Anreizstruktur ist für sie gebaut.
Die Herausforderung besteht nun darin, ob Patentanmeldungen in eingesetzte Produkte umgewandelt werden. Koreas KI-Investment-Ökosystem bleibt trotz der Patentleistung noch im Anfangsstadium. Der Zugang zu Frühphasen-Kapital ist relativ unkompliziert, aber die Skalierung von Wachstumskapital für internationale Expansion bleibt ein anhaltender Engpass. Wenn koreanische Fintech-Startups nicht über ihren heimischen B2B-Markt hinauswachsen können, wird der 67%-Patentanteil zu einer akademischen Errungenschaft statt einer Branchentransformation.