Europäisches Parlament unterstützt digitalen Euro trotz konservativer Opposition

Share

Reading time: 2 min

Die Europäische Union hat einen entscheidenden Schritt in Richtung monetärer Unabhängigkeit unternommen, mit überwältigender parlamentarischer Unterstützung für das Projekt des digitalen Euro. In einer eindeutigen Vertrauensbekundung unterstützten 443 von 631 Mitgliedern des Europäischen Parlaments den ehrgeizigen Plan der Europäischen Zentralbank, eine digitale Version des Euro zu schaffen, was einen entscheidenden Meilenstein in Europas Bestreben darstellt, die amerikanische Vorherrschaft bei digitalen Zahlungen herauszufordern.

Parlament überstimmt konservative Opposition

Die Abstimmung stellte einen bedeutenden Sieg für die umfassende Vision der EZB einer digitalen Währungsinfrastruktur dar. Die Parlamentsmitglieder genehmigten eine Änderung, die sowohl Online- als auch Offline-Versionen des digitalen Euro unterstützt und damit direkt dem restriktiveren Vorschlag des spanischen Konservativen Fernando Navarrete, dem parlamentarischen Berichterstatter zu diesem Thema, widersprach. Navarrete hatte sich nur für eine Offline-Variante ausgesprochen, es sei denn, private europäische Alternativen würden sich als unzureichend erweisen.

Diese entscheidende parlamentarische Intervention stärkt die Position der EZB vor wichtigen Diskussionen im Ausschuss für Wirtschaft und Währung. Die Zentralbank, angeführt von Vorstandsmitglied Piero Cipollone, hat durchgehend argumentiert, dass eine duale Funktionalität den digitalen Euro bargeldähnlicher und komplementär zu bestehenden Zahlungsmethoden machen würde.

Durchbrechen des US-Zahlungssystem-Monopols

Die Initiative des digitalen Euro zielt direkt auf Europas starke Abhängigkeit von amerikanischer Finanzinfrastruktur ab. Derzeit verarbeiten US-Riesen Visa, Mastercard und PayPal die Mehrheit der europäischen digitalen Transaktionen, wobei internationale Kartenzahlungssysteme laut EZB-Daten 64 Prozent aller Transaktionen in der Eurozone abwickeln.

Diese Abhängigkeit ist zunehmend problematisch geworden, da die transatlantischen Beziehungen neuen Belastungen ausgesetzt sind. Das Parlament erkannte ausdrücklich an, dass die Einführung eines digitalen Euro “wesentlich für die Stärkung der monetären Souveränität der EU” wäre und positionierte das Projekt sowohl als wirtschaftlichen als auch strategischen Imperativ für die europäische Unabhängigkeit.

Zeitplan und Umsetzungsstrategie

Das Projekt der digitalen Währung folgt einem sorgfältig strukturierten Zeitplan, der sich bis ins nächste Jahrzehnt erstreckt. Wenn die EU-Gesetzgebung wie geplant 2026 in Kraft tritt, könnte die EZB 2027 ein Pilotprogramm starten, was möglicherweise zu einer vollständigen Umsetzung bis 2029 führt.

Der vorgeschlagene digitale Euro würde physisches Bargeld ergänzen, nicht ersetzen, und der rückläufigen Nutzung von Münzen und Banknoten durch europäische Verbraucher Rechnung tragen. Das System sieht zwei Betriebsmodi vor: eine Online-Version für die meisten Transaktionen und eine Offline-Variante, die Zahlungsfähigkeit bei Problemen mit der Internetverbindung gewährleistet.

Politische Dynamik nimmt zu

Die parlamentarische Abstimmung zeigt einen wachsenden politischen Konsens bezüglich der digitalen Währungsinfrastruktur. Der deutsche Grünen-Europaabgeordnete Rasmus Andresen charakterisierte das Ergebnis als klares Signal, während er anerkannte, dass berechtigte Fragen zu spezifischen Umsetzungsdetails bestehen bleiben. Der Volt-Europaabgeordnete Damian Boeselager, stellvertretender Vorsitzender des Wirtschaftsausschusses, bezeichnete die Ergebnisse als “gute Nachrichten” für den Fortschritt des Projekts.

Die überwältigende Unterstützungsquote deutet auf eine breite parteiübergreifende Einigung über die strategische Notwendigkeit einer europäischen Zahlungssystem-Unabhängigkeit hin. Mit einer formellen Ausschussabstimmung, die für Anfang Mai erwartet wird, scheint der digitale Euro gut positioniert zu sein, um die verbleibenden legislativen Hürden zu überwinden und in praktische Umsetzungsphasen überzugehen, die die europäische Währungsinfrastruktur grundlegend umgestalten könnten.

Haftungsausschluss: Finonity bietet Finanznachrichten und Marktanalysen ausschließlich zu Informationszwecken. Nichts auf dieser Website stellt eine Anlageberatung, Empfehlung oder ein Angebot zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren oder Finanzinstrumenten dar. Die Wertentwicklung in der Vergangenheit ist kein Indikator für zukünftige Ergebnisse. Konsultieren Sie immer einen qualifizierten Finanzberater, bevor Sie Anlageentscheidungen treffen.
Paul Dawes
Paul Dawes
Currency & Commodities Strategist — Paul Dawes is a Currency & Commodities Strategist at Finonity with over 15 years of experience in financial markets. Based in the United Kingdom, he specializes in G10 and emerging market currencies, precious metals, and macro-driven commodity analysis. His expertise spans institutional FX flows, central bank policy impacts on currency valuations, and safe-haven dynamics across gold, silver, and platinum markets. Paul's analysis focuses on identifying capital flow turning points and translating complex cross-asset relationships into actionable market intelligence.

Read more

Latest News